Alle bisherigen Themen

ANGST und VERTRAUEN. Leben zw. Sicherheit und Ohnmacht
„Angst“ als philosophisches Thema? Es ist überraschend, wie präsent die Angst in nahezu allen philosophischen Texten und Gedankenführungen ist, von der Antike über das Mittelalter bis in die Moderne. Nicht nur religiöse Denker wussten, dass das universale Streben des Menschen nach Sicherheit – in der Absicherung durch Macht, Reichtum, aber auch durch feste Prinzipien oder gar durch das vernünftige Denken selbst – aus Angst geschieht. Besonders spannend wird das Thema im 20. Jahrhundert. Auf der einen Seite stehen wachsende Ängste vor technischen Katastrophen, auf der anderen die faszinierenden Einsichten der modernen Psychologie.

ARBEIT und MUSSE. Maß und Übermaß unserer Aktivität
Man kann sich kaum vorstellen, dass das Wort „Schule“ ursprünglich die Muße bedeutete. Und dass in der Antike die Arbeit Sache der Sklaven war – wer immer über genügend Selbstbewusstsein und Geld verfügte, gab sich der Muße hin. Heute ist das vollkommen anders: die Arbeit ist für viele zum Lebensmittelpunkt geworden, Muße dagegen ist weitgehend durch passive Unterhaltung verdrängt worden. Was haben die Philosophen zum Thema gesagt? Was wäre eine gesunde Einstellung zu Arbeit und Muße?

ASKESE, SUCHT und MASS. Wege und Abwege des Genusses
Genuss und Askese. Vom Umgang mit Bedürfnissen
Kaum eine Frage hat die Philosophie so sehr beschäftigt wie die nach dem rechten Maß. In der Antike glaubte man davon das Gelingen des Lebens abhängig. Um so erstaunlicher, dass mit dem Christentum dann eine prinzipiell asketische Kultur Einzug gehalten hat. Die moderne Maßlosigkeit von Technik, Konsum und Verschwendung lässt die Sehnsucht nach einem klugen Umgang mit den Bedürfnissen erneut virulent werden. Wie findet man zu wahrem Genuss? Nach Humboldt ist er die höchste Möglichkeit des Menschen; und Genussfähigkeit ist nach Freud das Kennzeichen psychischer Gesundheit.

BILDUNG. Was den Menschen zum Menschen macht
Der Bildungsgedanke ist eines der großen Themen der abendländischen Geistesgeschichte. Was heutige Bildungspolitik macht, hat mit diesem Gedanken fast nichts mehr zu tun. Schon die Griechen haben ihre Jugendlichen ganz anders gebildet wie wir heute: nämlich vor allem durch Bewegung, Rhetorik und Musik. Der Begriff „Bildung“ ist eine Prägung des Mystikers Meister Eckhart. Er macht die Würde und die Bestimmung des Menschen zum Thema. Bildung, so Wilhelm von Humboldt, bedeutet gerade unter modernen Bedingungen die Entfaltung der Person, und damit fast dasselbe wie den Sinn des Lebens. Das zeigt: der Bildungsgedanke ist von hoher Faszination.

FREIHEIT. Über Abhängigkeit, Isolation und Bindung
„Frei ist der Mensch, und wär er in Ketten geboren“ (Schiller) – ist das Realität oder Ideal? Oder haben Augustin und Luther Recht, wenn sie vom „unfreien Willen“ reden? Freiheit gehört zu den tiefsten Bedürfnissen des Menschen, gerade des modernen. Wie frei kann der Mensch aber eigentlich sein, wenn er doch auf Versorgung ebenso angewiesen ist wie auf Zuwendung und Gemeinschaft? Freiheit bedeutet immer Alleinsein, sie ist darum mit Angst verbunden – und darum neigt der Mensch zur Flucht in Bequemlichkeit, Konformismus und autoritäre Strukturen. Was macht ein wirklich freies Leben eigentlich möglich?

FREMDHEIT und TOLERANZ
Den Menschen in der Antike galten alle, die nicht zu ihrer Zivilisation gehörten, als „Barbaren“. In der Moderne dagegen rücken die Menschen so nahe zusammen, dass sich das Verständnis von Fremdheit und Anderssein verändert. Die Idee der Toleranz entsteht. Mit der modernen Individualisierung jedoch scheint die Fremdheit zwischen Völkern und Menschen wieder zuzunehmen. Werden Ausgrenzung, Konkurrenz und Mobbing zu Normalgrößen? Die Achtung vor dem Fremden dient der Entfaltung von Leben. Wie entsteht solch eine Achtung?

FREUDE. Verlieren wir die Lebenslust?
Die Freude gehört schon immer zu den selbstverständlichen Grundlagen des Lebens. Schillers Ode „Freude, schöner Götterfunken!“ kommt uns heute allerdings überzogen und pathetisch vor. Wir leben in einer Spaßgesellschaft, die immer verbissener ihre Erlebnisse konsumiert. Wohin aber ist die Freude am Leben geraten? Unterliegt sie einem stetigen Verfall? Woran liegt es, dass Psychotherapeuten bereits von „Anhedonie“ (Lustlosigkeit) als Krankheitsbild sprechen? Die Lebensfreude gehört inzwischen zu den großen ungelösten Fragen.

FREUNDSCHAFT. Über eine menschliche Möglichkeit
Nicht erst seit die Menschen selbst über ihr Leben bestimmen, sind Freundschaften von größter persönlicher Bedeutung. Seit der Antike machen sich Philosophen Gedanken über die Freundschaft, die neben der Erfahrung von Liebe und religiöser Ergriffenheit zum Tiefsten und Schönsten gehört, was Menschen erfahren können. Wie also kann Freundschaft gelingen, und was sagt sie über unser Leben aus?

GEBURT und BEGINN. Über d. Anfangen u.d. Ankommen im Leben
Die Geburt ist weit mehr als das erste Erblicken des inzwischen elektrischen Lichts der Welt. Anfangen und Ankommen sind lebenslange Aufgaben. Und jeder Neubeginn ist eine Geburt. Sokrates verstand sich als „Geburtshelfer“ zur Vernunft, und Peter Sloterdijk hat das Thema „Geburtlichkeit‟ als notwendige Ergänzung zur altbekannten menschlichen Sterblichkeit gesetzt. Was heißt es, geboren zu sein? Welche Bedeutung haben Anfänge, Neu-Orientierungen und Umkehr? Wie kommen wir wirklich an im Leben und in der Welt, hier und jetzt?

GEFÜHL. Wahrnehmung, Affekt und Apathie
Weder Antike noch Mittelalter hatten einen Begriff für das, was mit Lust, Unlust, Affekt oder Leidenschaft umschrieben wurde. Als eigenes Erkenntnisvermögen wurde das Gefühl erst in der Aufklärung entdeckt, als innere Empfindung erst in der Romantik – um sich seither in einem rapiden Verfall zu befinden. Bürgerliche Zwanghaftigkeit, moderne Disziplin, Sachzwänge und kühle Funktionsmechanismen lassen vom großen Gefühl nur die Hülse schnell verfügbarer Kicks übrig. Werden die Menschen apathisch?

GLÜCK. Von der Suche nach Erfüllung
Kein zweites Thema beschäftigt die Menschen so sehr wie die Frage nach dem Glück. Ist der Mensch „nicht dazu geschaffen, um glücklich zu sein“ (Freud)? Oder ist ein Leben ohne Glück nicht sinnlos? Ist Glück nur ein Augenblick? Welche Wege führen zu einem dauerhaften Glück, also zu Gelassenheit, Lebensfreude und Zufriedenheit – jenseits von einer angestrengten Bedürfnisbefriedigung?

HEIL UND HEILUNG. Wege der Selbstfindung
„Heilung“ ist gleichermaßen ein Thema der Philosophie, der Psychologie und der Religion. Wie gelangt man aus Angst, aus traumatischen Erfahrungen und Schmerzen heraus zu einem heilen und zufriedenen Leben? Wie wird man alte unsinnige und hinderliche Verhaltensmuster los? Wann begibt man sich überhaupt auf den meist langen und schwierigen Weg der Veränderung und der Selbstfindung? Sich einzurichten im Leid wird ja in aller Regel als erträglicher empfunden denn die Mühe der Veränderung. Was ist eigentlich heiles Leben, und welche Wege stehen offen?

Ich/SELBST-BEWUSTSEIN (Wer bin ich?). Die Entdeckung des Ich
In Philosophie und Religion – etwa im sogenannten „Sündenfall“ stößt der Mensch auf sich selbst. Wer bin ich? Nicht mehr die Einbindung in Tradition, Gemeinschaft und Herkunft bestimmt über mich, sondern die Entdeckung meiner Freiheit und Selbständigkeit. Die fortgesetzte Individualisierung allerdings droht immer mehr in Isolation und Einsamkeit umzuschlagen. Welcher Weg aber führt zum Selbst-Bewusstsein?

IDENTITÄT und HEIMAT. Auf der Suche nach dem persönlichem Ort
Kaum ein Begriff der Philosophie hat sein Gesicht so verändert wie die Identität. Ursprünglich galt sie der Gewissheit der erkennenden Vernunft: sie garantierte die Übereinstimmung von Denken und Welt. In der Moderne dagegen wird Identität nur noch negativ bestimmt: als Illusion. Nichts ist, was es scheint, und Heimat wird zum Sehnsuchtswort. Karriere hat der Begriff Identität daher dort gemacht, wo ohne ihn offenbar nicht auszukommen ist: im menschlichen Selbstbewusstsein. Er ist die große offene Frage in Psychologie und Soziologie. Wer bin ich, zwischen Jungsein und Alter, zwischen Selbstbestimmung und Fremdeinfluss, zwischen Rollenspiel und Authentizität? Wo gehöre ich hin? Wie werde ich ich selbst?

KIRCHE. Die ambivalente Form einer Religion
Die Sozialform Kirche gibt es nur im Christentum. Sehr früh hat sie sich etabliert und dieser Religion eine feste Form gegeben, allzu oft auch eine starre Form. Sie hat das Christentum mit einer ganz eigenen Dynamik, einer gedanklichen Grammatik und hierarchischen Strukturen versehen, die dazu geführt haben, dass der religiöse Impuls immer wieder auf die Seite der Ketzer und Reformer gerückt ist. Beeindruckend sind die kulturellen Schöpfungen, die in der Kirche entstanden. Heute allerdings scheint die Kirche den religiösen Impuls eher zu behindern als zu fördern. Welchen Sinn hat die Kirche?

KINDHEIT und JUGEND
Kinder sind Nicht-Erwachsene – so sah man das früher. Erst seit der beginnenden Romantik wird die Kindheit als eine eigene Lebensphase verstanden. Und die Jugend, die Phase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, gibt es eigentlich erst seit dieser Zeit. Sie ist zwar ein Thema ohne besonderen philosophischen Rang, hat die Philosophen aber doch schon immer beschäftigt. Sah die Antike die Jugend als Typus des idealen Lebens, so die Romantik als Synonym für den Aufbruch ins Gefühl, ins Geistige und in erwachende Lebendigkeit. Davon scheint vor allem die Sehnsucht geblieben zu sein. Die Jugend heute steht zwischen Konsummarkt, Medien und zunehmendem Leistungs- und Anpassungsdruck.

KULTUR. Heimat in der gestalteten Welt
Der Mensch vermag sich im Gegensatz zum Tier in den verschiedensten Umwelten zu behaupten – dank seiner Kultur, die ihm das Leben überhaupt erst möglich macht. Die höhere Kultur ist der Lebensbereich des Geistes; sie gibt dem Menschen, was ihn erst eigentlich zum Menschen macht: Kunst, Schönheit, Genuss, Geist und Sinn-Erfüllung. Kultur bedarf freilich der bewussten und geduldigen Pflege (=cultura), wenn sie ihre Funktion erfüllen soll. Eine an High Tech und schneller Bedürfnisbefriedigung orientierten Kultur kommt genau diese Pflege immer mehr abhanden – mit sichtbaren und langwierigen Folgen.

LEBENSKUNST. Sinnvoll leben. Über Klugheit und die Frage nach dem guten Leben / Wie lebt man sinnvoll und gut?
Was macht ein gutes und sinnvolles Leben eigentlich möglich? Das ist eine Frage der Klugheit, die heute als Frage nach der Lebenskunst verhandelt wird. Das Leben ist tatsächlich eine Kunst, denn es ist nicht kalkulierbar, und es gibt keine Anleitung dafür. Was hat wirklich Bedeutung? Wie lässt sich leben mit den Erfahrungen der Ohnmacht, des Unvollendbaren und des Schmerzes? In einer Zeit, in der die Freiheiten scheinbar umfassend geworden sind, in der es kaum noch Verbindlichkeiten gibt, und in der die Befriedigung luxuriöser Bedürfnisse immer lustloser und verbissener betrieben wird, wird die Frage nach der Lebenskunst zu einer Schlüsselfrage.

LEID. Vom Umgang mit dem (Un)Vermeidbaren (nur PhM)
Das Leiden an äußerer Not, an Krankheit, Ungerechtigkeit, Trennung, aber auch an Traumata, Scham und Sinnlosigkeit, prägt unser Leben. Die meisten Philosophen haben das Leid zu umgehen versucht, weil sie wohl ahnten, dass das Nachdenken über das Leid zu keinem befriedigenden Ergebnis kommt. Es gibt keine Erklärung für das Leid. Doch lassen die Fragen einen so schnell nicht los: warum gibt es überhaupt Leid? Warum lässt ein guter Gott das zu? Warum trifft es mich? Welches Leid lässt sich vermeiden? Und wo es sich nicht vermeiden lässt: wie geht man mit ihm um?

LIEBE. Eros, Sehnsucht und Partnerschaft
Sie ist die „Schicksalsmacht par excellence“ (C.G. Jung): die Liebe. Die Liebe steht quer zu allem, was dem normalen Alltag seine Konturen und Sicherheiten gibt. Wer liebt, ist ver-rückt und mehr als jeder andere bereit, die Welt aus den Angeln zu heben. Was aber ist Liebe? Eine Himmelsmacht, die nur durch Zufall über einen kommt? Tätige Hingabe? Oder sind Liebe und Gott identisch, wie der Evangelist Johannes behauptet? Die meisten Menschen verstehen heute unter Liebe die romantische, d.h. die unbedingte, erotische und gefühlsgesättigte Liebe. Die aber kann in Hass umschlagen und tragisch enden. Gibt es die Liebe nur (noch) als Sehnsucht? Wie kann sie entstehen und gelingen?

MACHT und OHNMACHT. Über Kraft, Gewalt und Hilflosigkeit
Die Frage nach der Macht ist so alt wie die Philosophie. Soll man die Macht dem Stärksten überlassen oder auf Gewaltenteilung setzen? Wie verhalten sich dann jeweils Macht, Gerechtigkeit und Verantwortung? Macht kann faszinieren, aber auch in Gewalt umschlagen. Und sie kann, wie die Moderne zeigt, auswandern in die anonymen Strukturen von Geldwirtschaft, Produktionstechnik und Steigerungsimperativen. Dann aber produziert sie ohnmächtige Individuen, die sich vor die Frage gestellt sehen: was gibt uns die Macht über unser Leben zurück?

MELANCHOLIE. Schwermut, innere Leere und Depression
Passend zur Jahreszeit steht mit dem Thema „Melancholie“ ein eher dunkles Thema zur Diskussion – ein scheinbar wenig bedeutsames Thema der Philosophie. Das aber täuscht, denn nicht wenige Philosophen sehen in der Melancholie die Grundbefindlichkeit des denkenden Menschen, ja des Menschen überhaupt. Mit dem heute sehr verbreiteten Gefühl der inneren Leere und der Depressivität ist die Melancholie auch ausgesprochen aktuell. Wie lässt sich leben mit Dauer-Grübelei, Lebensschmerz und Depression?

Der MENSCH. Mängelwesen oder Ebenbild Gottes?
Ist der Mensch das „animal rationale“, das vernünftige Tier (Aristoteles), oder das „nicht festgestellte“ (Nietzsche)? Ein „Zigeuner am Rande des Universums“ (Monod) oder das Ebenbild Gottes (Die Bibel)? Ein souveränes Wesen, oder eher ein getriebenes? Der Mensch allein hat Sprache und Bewusstsein – aber eben darum auch das Wissen um Isolation und Tod. Was ist ihm eher gemäß: technische Macht oder das Wissen um unverfügbare Schönheit?

MORAL. Tugend, Sitte und Wertewandel
Moral, Vernunft und die Würde des (denkenden) Menschen haben seit der Antike eine Einheit gebildet. Was aber geschieht mit der Moral, wenn Nietzsche sie als Anpassung an die Masse entlarvt, die nur aus Angst geschieht? Dann ist Moral eine Schwäche. Und was, wenn heute eine ökonomisch strukturierte Welt die Moral dem Nutzen und dem Kalkül unterordnet? Dann sind unsere allgemeinen Werte nicht die, die uns gut tun. Welches Verhalten ist sinnvoll?

MYSTIK. Der unbekannte Kern der Religion
Die Mystik gilt als versponnen, und in den großen Religionen hat sie scheinbar nur wenig Bedeutung. Doch die mystische Erfahrung kann als Ursprung und Kern aller Religion verstanden werden. Denn es gibt keine Religion ohne die religiöse Ergriffenheit, und die umfassende Wahrnehmung des Lebendigen ist der Kern aller Mystik. Die mystische Wahrnehmung der Welt kann ein Leben verwandeln. Sie ist alles andere als geheimnisvoll. Sie ist urmenschlich und psychologisch nachvollziehbar, und sie ist auch von höchst aktueller Bedeutung.

MYTHOS. Wie wir die Welt verstehen
Fast jeder kennt alte Schöpfungsgeschichten, Erzählungen von Sintfluten oder von Göttern und Heroen wie Zeus, Sisyphos, Herkules und Odysseus. Überholte, naive Geschichten, die ihren Platz nur noch in Poesie und Oper haben? Die Romantik, und vollends die Philosophie des 20. Jahrhunderts, sehen das vollkommen anders: ihnen gilt die Mythologie als eine ergreifende, erklärungskräftige und mächtige Form des Weltverstehens, die die großen Fragen nach dem Woher und dem Sinn der Welt stellt, und dem die Wissenschaft nichts an die Seite zu setzen hat. Kein Wunder, daß Mythos und Religion manche Ähnlichkeiten haben; und daß unser Denken nach wie vor von Mythen durchsetzt und geprägt ist – bis hin zum vielleicht größten Mythos überhaupt: dem der angeblich aufgeklärten Vernunft.

NARZISSMUS UND SCHAM. Ohnmachtserfahrung und Sehnsucht nach Liebe
Scham ist die Erfahrungen des Ausgesetztseins, mit der sich der Mensch so schwer tut wie mit kaum einer anderen Erfahrung – mehr noch als mit der Schuld. Scham einzugestehen, gar über sie nachzudenken, fällt entsprechend schwer. Ist es Zufall, dass die Scham in der abendländischen Philosophie immer nur am Rande Thema war? Wie die Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies zeigt, ist sie eher in der Religion zu hause. Zur offenen Frage wird sie wieder bei Nietzsche. In der narzisstischen Selbstbespiegelung, der Sehnsucht nach Liebe und der hohen seelischen Verletzlichkeit des Menschen heute wird die Scham zur verdeckten Grundfrage des Lebens.

RELIGION und Glaube.
Zwischen Lebensbejahung und Fundamentalismus / Illusion oder Steigerung des Lebens?
Was ist Religion? Glaube, Aberglaube oder Illusion? Kaum ein weiteres Thema lässt sich denken, das so sehr von Paradoxien und Widersprüchlichkeiten bestimmt ist. Freiheit und Zwang, Frieden und Gewalt, Ekstase und Dogma stehen in der Religion scheinbar unerklärlich nebeneinander. Entsprechend reichen die Einstellungen zur Religion auch von frommer Versenkung bis hin zu vehementer Bestreitung. Lange galt sie als überholt; zur Zeit aber mehren sich die ernsten Nachfragen nach ihr, auf philosophischer wie auf privater Seite. Ist Religion illusionäre Vertröstung, Erfahrung des Heiligen oder Hingabe an das Leben?

SCHICKSAL. Vom Umgang mit dem Unabwendbaren
In der Antike war das „Schicksal“ Grund allen Lebens und Grundbegriff des philosophischen Nachdenkens. Spätestens in der Aufklärung aber scheint die Vernunft über das Schicksal zu dominieren. Und in der Moderne arbeitet man daran, das Schicksal durch Technik zu beseitigen oder gar selbst das Schicksal zu sein. Geht diese Idee aber auf? Welche Reichweite hat die menschliche Handlungsfreiheit? Was tun mit dem, was wir als Menschen nicht in der Hand haben? Wie geht man angemessen mit dem Schicksal um?

SCHÖNHEIT. Ästhetik, Kunst und Wahrnehmung
In der Schönheit wird sich das Leben seiner selbst bewusst, manche sagten gar: in ihr begegnet uns das Göttliche. Der Sinn für die Schönheit ist auch eines der Grundmerkmale des Menschen. Schönheit ist dem rationalen philosophischen Denken freilich nur schwer zugänglich. Um so bemerkenswerter ist es darum, dass es seit der Aufklärung einen breiten Strom philosophischer Ästhetik gibt, der nach der Wahrnehmung fragt und nach dem Wesen der Kunst. Diese Fragen münden immer wieder in den Bereich der Religion und der Lebens-Kunst.

SINN DES LEBENS. Leben zwischen Nihilismus und Bedeutsamkeit
Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird erst in der Aufklärung explizit gestellt, sie ist allerdings so alt wie die Philosophie selbst. Der Mensch fragt nach dem, was Zweck seines Tuns sein kann und was überhaupt Bedeutung hat. Taucht die Frage aber einmal auf, ist sie bereits ein Hinweis auf Sinn-Verlust. Das bohrende Gefühl von Sinnlosigkeit kennen bereits die mittelalterlichen Mönche. Im modernen Leben ist es weit verbreitet. Welchen Sinn hat eine Welt, die nach technischen und ökonomischen Effizienzen fragt, immer weniger aber nach dem, was dem Menschen gut tut? Was gibt unserem Dasein Wert und Bedeutung?

SPIRITUALITÄT. Die Suche nach bewußten Leben
Spiritualität ist so aktuell, dass auch die hohe Philosophie nicht mehr an ihr vorbeikommt. Begonnen hat der Begriff seine Karriere in der Aufklärung, und zwar im Streit darum, ob die Welt allein als Materie verstanden werden kann und welche Rolle der Geist spielt. Heute bezeichnet der Begriff die Frage der „Sinnsucher“ nach dem ganzheitlichen, sinnvollen und bewussten Leben. Dafür gibt es spirituelle Techniken, mit denen die Konzentration auf den gegenwärtigen Moment eingeübt wird. Das kann zu einer veränderten Wahrnehmung führen.

UNRUHE UND GELASSENHEIT. Was uns umtreibt
Wenig scheint der modernen Zivilisation so zu fehlen wie Gelassenheit. Niemand hat Zeit. Eine permanente Unruhe, die von Termindruck und Hektik bis zur inneren Getriebenheit reicht, ist eines ihrer Grundkennzeichen. Woher kommt die wachsende Unruhe unserer Kultur? Wird Zeithaben zum Luxusgut? In der Antike galt innere Ruhe als Zeichen von Souveränität und als Grundtugend. Für den Mystiker Eckhart ist Gelassenheit Grundbegriff aller Religion. Wie gelangt man zu solcher Gelassenheit?

VERNUNFT. Das überschätzte Vermögen
Von Plato bis Kant gilt die Vernunft als das Kennzeichen des Menschen schlechthin – und als Grund für sein außerordentlich hohes Selbstbewusstsein. Das haben vor allem die Philosophen für sich reklamiert. Die Moderne hat allerdings eine ganze Reihe von Erschütterungen dieses Selbstbewusstseins gebracht: die Romantik, Nietzsche, der Existenzialismus, die Folgen der Technik und die gängige Lebensführung zeigen deutlich, dass das rationale Denken sogar in katastrophische Sackgassen geraten kann und offenbar dem Leben nicht wirklich entspricht.

Wahrheit und Wirklichkeit. Unser Verhältnis zur Welt
Was ist Wahrheit? Offenbar das, was wirklich ist. Nur: was ist wirklich? Schnell kommen einem da die schwierigen Fragen der Erkenntnistheorie in die Quere: unsere Wahrnehmung ist an Kategorien und subjektive Bedingungen gebunden. Ist also alles nur Konstruktion? Ist die Wahrheit dann nur eine Frage der Erfahrung, der Sichtweise, oder gar nur der Gewohnheit? Wahrheit scheint lebensnotwendig zu sein, und der stimmige Kontakt zur Wirklichkeit ebenso. Daher muss es tiefere Antworten geben.

Würde. Über Bedeutung und Wert
Die Würde des Menschen wird zunehmend zum Diskussionsthema. Welche Würde haben Menschen in einer Zeit, die alles nach seiner Funktion bemisst und dem Diktat des Nutzens unterwirft? Welchen Wert haben Dinge und natürliche Erscheinungen? Ohne Würde verliert der Mensch seine Selbstachtung und seinen Sinn. Die Dinge verlieren ihre Eigenbedeutung und werden zum Gegenstand des bedenkenlosen Verschleißes. Wie stellt sich eine neue Achtung vor dem Leben ein?