Philosophische Matineen und Cafés

Die Philosophische Matinee findet im Abstand von etwa sechs Wochen im Kulturzentrum LINSE in Weingarten statt, jeweils am Sonntag Vormittag um 10.30 Uhr (Beginn ca. 10.45). Präsentiert und diskutiert werden exemplarische philosophische Denker, die aktuelle Bedeutung des Themas und seine Bedeutung im eigenen Leben.

Die Matinee versucht, inhaltlichen Anspruch und die lockere, weitgehend offene Form eines Vormittags im Café miteinander zu verbinden.

Einführungen und Informationen aus Geistesgeschichte und Gegenwart, gemeinsame Lektüre von einschlägigen Texten und offene Gesprächsrunden wechseln einander ab. Die Theke mit Kaffee und Kleinigkeiten für das zweite Frühstück ist während der Veranstaltung geöffnet.

Eintritt 10,- Euro, erm. 6,- Euro. Dauer bis max. 13.00 Uhr.

Karten im Vorverkauf der LINSE oder über www.reservix.de

Das Philosophische Café findet im Kulturzentrum BOSCO statt. Die Atmosphäre dort hat sich als philosophisch bestens geeignet erwiesen. Die Theke bleibt während der Abende für Wein und andere Getränke geöffnet.



DIE NÄCHSTEN TERMINE

Weingarten: Sonntag, 21. Januar 2018, 10:30 im Kulturzentrum LINSE

S C H I C K S A L

Vom Umgang mit dem Unabwendbaren

In der Antike war das "Schicksal" Grund allen Lebens und Grundbegriff des philosophischen Nachdenkens. Spätestens in der Aufklärung aber scheint die Vernunft über das Schicksal zu dominieren. Und in der Moderne arbeitet man daran, das Schicksal durch Technik zu beseitigen oder gar selbst das Schicksal zu sein. Geht diese Idee aber auf? Welche Reichweite hat die menschliche Handlungsfreiheit? Was tun mit dem, was wir als Menschen nicht in der Hand haben? Wie geht man angemessen mit dem Schicksal um?



Gauting: Sonntag, 18. FEBRUAR 2018, 20:00 Uhr im BOSCO Foyer

S C H I C K S A L

Vom Umgang mit dem Unabwendbaren

In der Antike war das "Schicksal" Grund allen Lebens und Grundbegriff des philosophischen Nachdenkens. Spätestens in der Aufklärung aber scheint die Vernunft über das Schicksal zu dominieren. Und in der Moderne arbeitet man daran, das Schicksal durch Technik zu beseitigen oder gar selbst das Schicksal zu sein. Geht diese Idee aber auf? Welche Reichweite hat die menschliche Handlungsfreiheit? Was tun mit dem, was wir als Menschen nicht in der Hand haben? Wie geht man angemessen mit dem Schicksal um?



BISHERIGE THEMEN

ANGST und VERTRAUEN. Leben zwischen Sicherheit und Ohnmacht

"Angst" als philosophisches Thema? Es ist überraschend, wie präsent die Angst in nahezu allen philosophischen Texten und Gedankenführungen ist, von der Antike über das Mittelalter bis in die Moderne. Nicht nur religiöse Denker wußten, daß das universale Streben des Menschen nach Sicherheit - in der Absicherung durch Macht, Reichtum, aber auch durch feste Prinzipien oder gar durch das vernünftige Denken selbst - aus Angst geschieht. Besonders spannend wird das Thema im 20. Jahrhundert. Auf der einen Seite stehen wachsende Ängste vor technischen Katastrophen, auf der anderen die faszinierenden Einsichten der modernen Psychologie.

ARBEIT und MUßE. Maß und Übermaß unserer Aktivität

Man kann sich kaum vorstellen, dass das Wort "Schule" ursprünglich die Muße bedeutete. Und dass in der Antike die Arbeit Sache der Sklaven war – wer immer über genügend Selbstbewusstsein und Geld verfügte, gab sich der Muße hin. Heute ist das vollkommen anders: die Arbeit ist für viele zum Lebensmittelpunkt geworden, Muße dagegen ist weitgehend durch passive Unterhaltung verdrängt worden. Was haben die Philosophen zum Thema gesagt? Was wäre eine gesunde Einstellung zu Arbeit und Muße?

ASKESE, SUCHT und MASS. Wege und Abwege des Genusses

Kaum eine Frage hat die Philosophie so sehr beschäftigt wie die nach dem rechten Maß. In der Antike glaubte man davon das Gelingen des Lebens abhängig. Um so erstaunlicher, daß mit dem Christentum dann eine prinzipiell asketische Kultur Einzug gehalten hat. Die moderne Maßlosigkeit von Technik, Konsum und Verschwendung läßt die Sehnsucht nach einem klugen Umgang mit den Bedürfnissen neu virulent werden. Wie findet man zu wahrem Genuß? Nach Humboldt ist er die höchste Möglichkeit des Menschen; und Genußfähigkeit ist nach Freud das Kennzeichen psychischer Gesundheit.

BILDUNG. Was macht den Menschen zum Menschen?

Am 2. Dezember geht es um eines der großen Themen der abendländischen Geistesgeschichte: die Bildung. Was heutige Bildungspolitik macht, hat mit dem eigentlichen großen Bildungsgedanken allerdings oft fast nichts mehr zu tun. Bildung nämlich, so Wilhelm von Humboldt, bedeutet die Entfaltung der Person, und damit fast dasselbe wie den Sinn des Lebens unter modernen Bedingungen. Schon die Griechen haben ihre Jugendlichen ganz anders gebildet wie wir heute: nämlich vor allem durch Bewegung und Musik! Und wenn man noch bedenkt, daß der deutsche Begriff "Bildung" eine Prägung des Mystikers Meister Eckhart ist und darum auch mit Religion zu tun hat, dann spätestens werden Faszination und Reichweite des Bildungsgedankens deutlich.

FREIHEIT. Über Abhängigkeit, Isolation und Bindung

"Frei ist der Mensch, und wär er in Ketten geboren" (Schiller) - ist das Realität oder Ideal? Oder haben Augustin und Luther Recht, wenn sie vom "unfreien Willen" reden? Wie frei kann der Mensch eigentlich sein, wenn er doch auf Versorgung ebenso angewiesen ist wie auf Zuwendung und Gemeinschaft? Freiheit gehört zu den tiefsten Bedürfnissen des Menschen, gerade des modernen; wie sie zu erreichen sei, ist aber sehr fraglich. Freiheit ist nicht zu haben ohne selbst gewählte Isolation, sie ist darum mit Angst verbunden - und darum liegt die Flucht in Bequemlichkeit, Konformismus und autoritäre Strukturen so nahe. Was macht ein freies Leben eigentlich möglich?

FREUNDSCHAFT. Eine menschliche Möglichkeit

Nicht erst, seit die Menschen selbst über ihr Leben bestimmen, sind Freundschaften von höchster persönlicher Bedeutung. Seit der Antike machen sich Philosophen Gedanken über die Freundschaft, die neben der Erfahrung von Liebe und religiöser Ergriffenheit zum Tiefsten und Schönsten gehört, was Menschen erfahren können. Wie also kann Freundschaft gelingen, und was sagt sie über unser Leben aus?

GEBURT. Über das Ankommen im Leben

Die "Geburt" umfaßt weit mehr als den ersten Moment des Ankommens auf unserer inzwischen elektrisch beleuchteten Welt. Sie ist für jeden eine lebenslange Aufgabe. Sokrates verstand sich als "Geburtshelfer" zur Vernunft, und Peter Sloterdijk hat das Thema "Geburtlichkeit" als notwendige Ergänzung zur altbekannten menschlichen Sterblichkeit gesetzt. Was heißt es, geboren zu sein? Wie kommen wir wirklich an im Leben und in der Welt, hier und jetzt?

GEFÜHL. Wahrnehmung des Lebens zwischen Affekt und Apathie

Weder Antike noch Mittelalter hatten einen Begriff für das, was mit Lust, Unlust, Affekt oder Leidenschaft umschrieben wurde. Als eigenes Erkenntnisvermögen wurde das Gefühl erst in der Aufklärung entdeckt, als innere Empfindung erst in der Romantik - um sich seither in einem rapiden Verfall zu befinden. Bürgerliche Zwanghaftigkeit, moderne Disziplin, Sachzwänge und kühle Funtionsmechanismen lassen vom großen Gefühl nur die Hülse schnell verfügbarer Kicks übrig. Werden die Menschen apathisch?

GLÜCK. Wege zu einem erfüllten Leben

Kein zweites Thema beschäftigt die Menschen so sehr wie die Frage nach dem Glück. Ist der Mensch "nicht dazu geschaffen, um glücklich zu sein" (Freud)? Oder ist ein Leben ohne Glück nicht sinnlos? Ist Glück nur ein Augenblick? Welche Wege führen zu einem dauerhaften Glück - jenseits von einer angestrengten Bedürfnisbefriedigung?

HEIL UND HEILUNG. Wege der Selbstfindung

Das Thema "Heil und Heilung" gehört zur Philosophie ebenso wie zur Psychologie und zur Religion. Wie gelangt der Mensch aus der Angst, aus Schmerzen und traumatischen Erfahrungen heraus zu einem heilen und zufriedenen Leben? Wie wird er alte Verhaltensmuster los, die er längst als unsinnig und hinderlich durchschaut hat? Und: da das Sich-Einrichten im Leid in aller Regel offenbar als erträglicher empfunden wird als die Mühe der Veränderung - wie und wann begibt er sich überhaupt auf den oft langen Weg der Therapie und der Selbstfindung?

IDENTITÄT. Auf der Suche nach persönlicher Heimat

Kaum ein Begriff der Philosophie hat sein Gesicht so verändert wie der der Identität. Ursprünglich galt sie als Hinweis auf die Bestimmbarkeit der Dinge und auf die Gewissheit der erkennenden Vernunft. Sie garantierte die Übereinstimmung von Denkens und Welt und gab so dem Nachdenken seine Heimat. In der Moderne dagegen wird Identität nur noch negativ bestimmt: als Illusion. Nichts ist, was es scheint, und Heimat wird zum Sehnsuchtswort. Karriere hat der Begriff Identität daher dort gemacht, wo ohne ihn offenbar nicht auszukommen ist: im menschlichen Selbstbewusstsein. Er ist die große offene Frage in Psychologie und Soziologie. Wer bin ich, zwischen Jungsein und Alter, zwischen Selbstbestimmung und Fremdeinfluss, zwischen Rollenspiel und Authentizität? Wo gehöre ich hin? Wie werde ich ich selbst?

JUGEND. Sehnsuchtswort und Zeit der Krise

Die Jugend ist ein Thema ohne besonderen philosophischen Rang, das aber die Philosophen schon immer beschäftigt hat. Sah die Antike die Jugend als Typus des idealen Lebens, so die Romantik als Synonym für den Aufbruch ins Gefühl, ins Geistige und in erwachende Lebendigkeit. Davon scheint wenig geblieben: die Jugend heute pendelt zwischen unkritischer Anpassung an den status quo des Konsummarktes und vielfältigen neuen Nöten, angefangen vom zunehmenden Leistungs- und Anpassungsdruck über Orientierungsunsicherheiten bis hin zu narzißtischen Sehnsüchten.

KULTUR. Zwischen Ackerbau und Globalisierung

Der Mensch vermag sich im Gegensatz zum Tier in den verschiedensten Umwelten zu behaupten – dank seiner Kultur, die ihm das Leben überhaupt erst möglich macht. Die höhere Kultur ist der Lebensbereich des Geistes; sie gibt dem Menschen, was ihn erst eigentlich zum Menschen macht: Kunst, Schönheit, Genuß, Geist und Sinn-Erfüllung. Kultur bedarf freilich der bewußten und geduldigen Pflege (=cultura), wenn sie ihre Funktion erfüllen soll. Eine an High Tech und schneller Bedürfnisbefriedigung orientierten Kultur kommt genau diese Pflege immer mehr abhanden – mit sichtbaren und langwierigen Folgen.

LEBENSKUNST. Über Klugheit und die Frage nach dem guten Leben

Was macht ein gutes und sinnvolles, ein wahrhaft freies, und dennoch nicht isoliertes Leben eigentlich möglich? Das ist eine Frage der Klugheit, die heute als Frage nach der Lebenskunst verhandelt wird. Das Leben ist tatsächlich eine Kunst, denn es ist nicht kalkulierbar, und es gibt keine Anleitung. Was hat wirklich Bedeutung? Wie läßt sich leben mit den Erfahrungen der Ohnmacht, des Unvollendbaren und des Schmerzes? In einer Zeit, in der die Freiheiten scheinbar umfassend geworden sind, in der es kaum noch Verbindlichkeiten gibt, und in der die Befriedigung luxuriöser Bedürfnisse immer lustloser und verbissener betrieben wird, wird die Frage nach der Lebenskunst zu einer Schlüsselfrage.

LEID. Vom Umgang mit dem (Un)Vermeidbaren

Das Leiden über äußere und innere Not - Krankheit, Ungerechtigkeit, Trennung, aber auch über Traumata, Scham und Sinnlosigkeit - prägt unser Leben. Die meisten Philosophen haben das Leid zu umgehen versucht, weil sie wohl ahnten, dass das Nachdenken über das Leid zu keinem befriedigenden Ergebnis kommt. Es gibt keine Erklärung für das Leid. Doch lassen die Fragen einen so schnell nicht los: warum gibt es überhaupt Leid? Warum lässt ein guter Gott das zu? Warum trifft es mich? Welches Leid lässt sich vermeiden? Und wo es sich nicht vermeiden lässt: wie geht man mit ihm um?

LIEBE. Eros, Sehnsucht und Partnerschaft

Hier wird es um die "Schicksalsmacht par excellence" (C.G. Jung) gehen: die Liebe. Die Liebe steht quer zu allem, was dem normalen Alltag seine Konturen und Sicherheiten gibt. Wer liebt, ist ver-rückt und mehr als jeder andere bereit, die Welt aus den Angeln zu heben. Was aber ist Liebe? Eine Himmelsmacht, die nur durch Zufall über einen kommt? Tätige Hingabe? Oder sind Liebe und Gott identisch, wie der Evangelist Johannes behauptet? Die meisten Menschen verstehen heute unter Liebe die romantische, d.h. die unbedingte, erotische und gefühlsgesättigte Liebe. Die aber kann in Haß umschlagen und tragisch enden. Gibt es die Liebe nur (noch) als Sehnsucht? Wie kann sie entstehen und gelingen?

MELANCHOLIE. Leben zwischen Schwermut und innerer Leere

Mit dem Thema "Melancholie" steht ein eher dunkles Thema zur Diskussion. Neben "Glück", "Vernunft", "Entdeckung des Ich" scheint die Melancholie ein wenig bedeutsames Thema der Philosophie zu sein. Das aber täuscht, denn nicht wenige Philosophen sehen in ihr die Grundbefindlichkeit des denkenden Menschen, ja des Menschen überhaupt. Mit dem heute sehr verbreiteten Gefühl der inneren Leere und der Depressivität hat die Melancholie zudem eine starke Aktualität, die sie auch für die eigene Lebensführung interessant macht. Wie läßt sich leben mit Schwermut, Leere und Depression?

MENSCH. Mängelwesen oder Ebenbild Gottes?

Ist der Mensch das "animal rationale", das vernünftige Tier (Aristoteles), oder das "nicht festgestellte" (Nietzsche)? Ein "Zigeuner am Rande des Universums" (Monod) oder das "Ebenbild Gottes" (Die Bibel)? Ein souveränes Wesen, oder eher ein getriebenes? Der Mensch allein hat Sprache und Bewußtsein - aber eben darum auch das Wissen um Isolation und Tod. Was entspricht ihm eher: technische Macht oder das Wissen um unverfügbare Schönheit?

MORAL. Tugend, Sitte und Werteverfall

Moral, Vernunft und selbstbewußte Würde des (denkenden) Menschen haben seit der Antike eine Einheit gebildet. Was aber geschieht mit der Moral, wenn Nietzsche sie als Anpassung an die Masse aus Angst entlarvt, und wenn heute eine ökonomisch strukturierte Welt die Moral dem Nutzen und dem Kalkül unterordnet?

MYSTIK. Vom Wesen religiöser Erfahrung

Scheinbar am Rande der großen Religionen, dennoch aber von starker unterschwelliger Bedeutung ist die Erfahrung der Mystiker. Sie kann als Ursprung und Kern aller Religion verstanden werden. Der mystische Blick auf die Welt ist ebenso geheimnisvoll wie vertraut. Er vermag das gesamte Leben zu verwandeln.

MYTHOS. Wie wir die Welt verstehen

Fast jeder kennt alte Schöpfungsgeschichten, Erzählungen von Sintfluten oder von Göttern und Heroen wie Zeus, Sisyphos, Herkules und Odysseus. Überholte, naive Geschichten, die ihren Platz nur noch in Poesie und Oper haben? Die Romantik, und vollends die Philosophie des 20. Jahrhunderts, sehen das vollkommen anders: ihnen gilt die Mythologie als eine ergreifende, erklärungskräftige und mächtige Form des Weltverstehens, die die großen Fragen nach dem Woher und dem Sinn der Welt stellt, und dem die Wissenschaft nichts an die Seite zu setzen hat. Kein Wunder, daß Mythos und Religion manche Ähnlichkeiten haben; und daß unser Denken nach wie vor von Mythen durchsetzt und geprägt ist - bis hin zum vielleicht größten Mythos überhaupt: dem der angeblich aufgeklärten Vernunft.

NARZISSMUS UND SCHAM. Ohnmachtserfahrung und Sehnsucht nach Liebe

Scham ist die Erfahrungen des Ausgesetztseins, mit der sich der Mensch so schwer tut wie mit kaum einer anderen Erfahrung - mehr noch als mit der Schuld. Scham einzugestehen, gar über sie nachzudenken, fällt entsprechend schwer. Ist es Zufall, daß die Scham in der abendländischen Philosophie immer nur am Rande Thema war? Wie die Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies zeigt, ist sie eher in der Religion zu hause. Zur offenen Frage wird sie wieder bei Nietzsche. In der narzißtischen Selbstbespiegelung, der Sehnsucht nach Liebe und der hohen seelischen Verletzlichkeit des Menschen heute wird die Scham zur verdeckten Grundfrage des Lebens.

RELIGION. Illusion oder bewußtes Leben?

Das Thema "Religion" lohnt einen philosophischen Zugang - denn kaum ein weiteres Thema lässt sich denken, das so sehr von Paradoxien und Widersprüchlichkeiten bestimmt ist. Freiheit und Zwang, Frieden und Gewalt stehen in der Religion scheinbar unerklärlich nebeneinander. Darum reichen die Einstellungen zur Religion auch von frommer Versenkung über distanziertes Interesse bis hin zu vehementem Widerspruch. Was ist Religion? Illusion und Verströstung, oder Ausdruck der Hingabe an das Leben?

SCHICKSAL. Vom Umgang mit dem Unabwendbaren

Das "Schicksal" gehört zu den Grundbegriffen der antiken Philosophie. Wie geht man angemessen mit ihm um? Welche Reichweite hat die menschliche Handlungsfreiheit? Spätestens in der Aufklärung aber scheint die Vernunft über das Schicksal zu dominieren; in der späten Moderne arbeitet man daran, das Schicksal durch Technik zu beseitigen oder gar selbst das Schicksal zu sein. Geht diese Idee aber auf?

SCHÖNHEIT. Wahrnehmung, Kunst, Ästhetik

Die Schönheit hat die Menschen offenbar schon immer fasziniert und beschäftigt. In ihr wird sich das Leben seiner selbst bewußt, manche sagten gar: in ihr begegnet uns das Göttliche. Die Schönheit ist dem rationalen philosophischen Denken eigentlich nur schwer zugänglich. Um so bemerkenswerter ist es darum, daß es seit der Aufklärung einen breiten Strom philosophischer Ästhetik gibt, der nach der Wahrnehmung fragt und nach der Kunst. Diese Fragen münden immer wieder in den Bereich der Religion und der Lebens-Kunst.

SELBST-BEWUSSTSEIN. Die Entdeckung des Ich

In Philosophie und Religion, etwa im sogenannten "Sündenfall", stößt der Mensch auf sich selbst. Wer bin ich? Nicht mehr die Einbindung in Tradition, Gemeinschaft und Herkunft bestimmt über mich, sondern die Entdeckung meiner Freiheit und Selbständigkeit. Die jedoch drohen immer mehr in Isolation und Einsamkeit umzuschlagen.

SINN DES LEBENS. Zwischen pragmatischem Nihilismus und Erfahrungen des Bedeutsamen

Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird erst in der Aufklärung explizit gestellt - sie ist allerdings so alt wie die Philosophie selbst. Sobald der Mensch sich seiner Vernunft und Selbstgestaltungsfähigkeit bewußt wird, fragt er nach dem, was Zweck seines Tuns sein kann und was überhaupt Bedeutung hat. Als moderne Menschen kennen wir das Gefühl von Sinnlosigkeit. Sinn hat ein Leben gerade dann, wenn es nicht nach dem Sinn fragen muß. Was also gibt unserem Dasein Wert und Bedeutung?

SPIRITUALITÄT. Die Suche nach bewußten Leben

"Spiritualität" ist kein traditioneller philosophischer Begriff, allerdings inzwischen von einer solchen Aktualität, daß auch die hohe Philosophie nicht mehr an ihm vorbeikommt. Begonnen hat er seine Karriere in der Aufklärung, und zwar im Streit darum, ob die Welt allein als Materie verstanden werden kann und welche Rolle der Geist spielt. Heute bezeichnet "Spiritualität" die Frage der "Sinnsucher" nach dem ganzheitlichen, von Sinn erfüllten und bewussten Leben. Diese Suche vollzieht sich vorwiegend mit Hilfe alter spiritueller Techniken, mit denen vor allem die Konzentration auf den gegenwärtigen Moment eingeübt werden soll.

UNRUHE UND GELASSENHEIT. Was uns umtreibt

Gelassenheit und Unruhe ergeben sich aus einem klugen Umgang mit der Zeit. Zeit aber gibt es offenbar nur als flüchtigen Moment - als das, was meist zu schnell verstreicht. Welche Einstellung haben Menschen zur Zeit? In der Antike galt innere Ruhe als Zeichen von Souveränität und als Grundtugend. Woran liegt es, daß heute immer mehr Menschen immer weniger Zeit haben? Die wachsende Unruhe unserer Kultur hat freilich auch andere Gründe als die knappe Zeit. Wie gelangt man zu Gelassenheit?

VERNUNFT. Das überschätzte Vermögen

Von Plato bis Kant gilt die Vernunft als das Kennzeichen des Menschen schlechthin und als Grund für sein außerordentlich hohes Selbstbewußtsein. Das haben vor allem die Philosophen für sich reklamiert. Die Moderne hat allerdings eine ganze Reihe von Erschütterungen dieses Selbstbewußtseins gebracht: die Romantik, Nietzsche, der Existenzialismus u.a. zeigen deutlich, daß das rationale Denken sogar in katastrophale Sackgassen geraten kann und offenbar dem Leben nicht wirklich entspricht.

WAHRHEIT UND WIRKLICHKEIT

Was ist Wahrheit? Offenbar das, was wirklich ist. Nur: was ist wirklich? Das scheint eine banale Frage, denn die Wirklichkeit ist das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Schnell kommen einem aber die schwierigen Fragen der Erkenntnistheorie in die Quere: unsere Wahrnehmung ist an Kategorien gebunden. Ist also alles nur Konstruktion? Was kann dann die Wahrheit sein? Sie scheint lebensnotwendig, kann aber niemals absolut und für alle Zeiten gültig sein. Ist Wahrheit eine Frage der Erfahrung? Oder ist sie nur eine Gewohnheit, also nur Sache der jeweiligen Perspektive, die man hat? Oder lässt sich die Frage noch ganz anders beantworten?